Sabine Wölfles Rede zur Kleinkinderbetreuung der Landesregierung

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Quelle: Landtag von Baden-Württemberg

 

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die SPD Landtagsfraktion hat diese aktuelle Debatte zur frühkindlichen Bildung beantragt und folgt damit dem Motto- Tue Gutes und rede darüber.

Der berühmte und vielzitierte Satz “ auf den Anfang kommt es an“ ist für uns nicht einfach eine Phrase sondern Auftrag für gute Politik im frühkindlichen Bereich.

Im frühen Alter entscheidet sich viel.

Das Kindergärten Bildungseinrichtungen sind und Erzieherinnen und Erzieher hier den Grundstein für einen erfolgreichen Bildungsweg legen und auch einen erheblichen Anteil an der gesunden Entwicklung der Kinder haben muss von Gesellschaft und Politik deutlich mehr gewürdigt werden.

Dazu passt die sehr aktuelle Einigung heute zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber im Kita Streit.

Einerseits ist diese Einigung schwierig aus Sicht der Kommunen, aber wichtig für die Zukunft des Berufsbilds und klares Zeichen für eine gesellschaftliche Anerkennung dieses doch so wichtigen Berufstandes.

Wir haben von Anfang an der frühkindlichen Bildung viel Aufmerksamkeit geschenkt und vor allem auch aktiv gehandelt.

Wo aber standen wir 2011?

2010 und 2011gab im Land gab es Demos von Eltern für mehr Kinderbetreuung, der Krippenausbau stockte und die Kommunen waren beim Ausbau überfordert.

Das Kinderland Baden- Württemberg ? Wohl eher ein Slogan denn das was vor Ort gebraucht wurde fand sich nicht im damalige politischen Handeln wieder.

Wo stehen wir jetzt?

Heute haben wir eine viereinhalbjährige Wegstrecke intensiver Reformarbeit hinter uns. Unsere Handschrift, der rote Faden unserer Bildungspolitik, vom Kleinkind bis zur Hochschulausbildung, ist klar erkennbar.

Unser Ziel ist, die Stärke unseres Landes zu erhalten, ohne dabei die „Bildungsgerechtigkeit“ aus den Augen zu verlieren.

Bildungsgerechtigkeit erreicht man aber nicht durch Sonntagsreden, sondern durch politisches Handelns und dies ist ein langwierig und durchaus beschwerlicher Prozess.

Aber dass wir vorankommen zeigt als jüngstes Beispiel das Ländermonitoring der Bertelsmann Stiftung zur Frühkindlichen Bildung von Ende August.

3,1 Kinder in der Krippe bzw. 7,7 Kinder im Kindergarten kommen in BW auf eine Erzieherin/einen Erzieher.

Günstiger sind die Personalschlüssel in keinem anderen Bundesland.

Und das trotz eines sehr dynamischen Ausbaus von Plätzen in den vergangenen Jahren. Diese beidseitige Entwicklung belegt eindrücklich, welche Anstrengungen von allen Seiten vollbracht wurden.

Im ehemaligen schwarz-gelben Krippenentwicklungsland haben heute Dank grün-roter Schwerpunktsetzung 27 % der Einjährigen und 54 % der Zweijährigen einen Platz bei Kita oder Tagespflege.

Es ist zunehmend gelungen, die große Nachfragelücke in diesem Bereich zusammen mit den Kommunen zu schließen. Für letztere war zentral, dass das Land seit 2011 sich als fairer Partner in Sachen Finanzausstattung auswies.

Faire Finanzausstattung bedeutet: Das Land garantiert 68 % der Betriebskosten zu tragen. In Zahlen ausgedrückt sind das zwischenzeitlich 610 Mio. 2015 und voraussichtlich 790 Mio. Euro 2016 und dass, obwohl wir zugleich historisch einmalig viermal die Nullverschuldung erreichen werden.

Ein weiterer Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit liegt in der Ausweitung der Sprachförderung.

So liegt die Förderung bei derzeit 21 Mio. (2015). Mittel in Höhe von 3,7 Mio. Euro bzw. 1,2 Mio. Euro werden wir für die Förderung von Flüchtlingskindern zusätzlich zur Verfügung gestellt.

Ich füge aber hinzu, dass uns der weitere Zustrom von Flüchtlingen vermutlich vor weitere Aufgaben und Herausforderungen stellen wird.

Gerade im Kitabereich gelingt Integration am besten, hier ist die wichtigste Schnittstelle in den weiterführenden Bildungsbereich und in die Aufnahmegesellschaft hinein.

Flankierend zum Ausbau der Kapazitäten haben wir den Fachkräfteausbau in den Blick genommen und mit der praxisintegrierten Ausbildung, kurz PIA, einen bundesweit beachteten Qualifizierungsgang geschaffen, von welchem jetzt die ersten 500 Absolventen erfolgreich die Prüfung bestanden haben.

Weitere 1400 Auszubildende sind bereits auf dem Weg.

Bei PIA zeigt sich nun, dass eine monatliche Ausbildungsvergütung von rund 800 Euro einen verstärkten Anreiz bietet, auch männliche Bewerber für den Erzieherberuf zu gewinnen.

Ich erinnere mich auch noch recht genau an einen Besuch an einer Berufsschule. Nach der Vorstellung von PIA meldete sich ein Junge, der berichtet, dass er selbst großes Interesse für den Erzieherberuf hatte, aber aufgrund einer fehlenden Ausbildungsvergütung sich für eine kaufmännische Ausbildung entschied.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich, wie viele Interessenten mit bereits abgeschlossener dualer oder Hochschulausbildung sich für eine PIA Ausbildung interessieren.

PIA ist zweifelsfrei eine Spitzeninnovation, die übrigens bundesweit Beachtung gefunden hat.

Ich fasse zusammen, die Erfolge grün-roter Bildungspolitik sind klar belegbar: Wir sind in der frühkindlichen Bildung in Sachen Bildungsgerechtigkeit einen erheblichen Schritt vorangekommen und werden uns auch zukünftig gezielt für eine Verbesserung von Bildungschancen einsetzen.

Dies zeigt sich im Übrigen auch für die Zeit nach Krippe und Kita. Ich erwähne nur die Stichworte Ganztagsschule, Schulsozialarbeit, Gemeinschaftsschulen oder die Abschaffung der Studiengebühren.

Kurzum Grün-Rot ist gut für das Land. Und das ist auch gut so!

Vielen Dank !

 

+++ Es gilt das gesprochene Wort +++