Gegen Gaststättensterben und für nachhaltigen Tourismus

Facharbeitskreis der SPD-Landtagsfraktion diskutierte in Waldkirch mit Tourismusverbänden und kommunalen Entscheidungsträgern

Touristische Potentiale, Herausforderungen und regionale Besonderheiten in der Region zwischen Kaiserstuhl und Südschwarzwald –  diese Themen bestimmten das Fachgespräch im Rathaus Waldkirch-Kollnau, zu dem die Wahlkreisabgeordnete Sabine Wölfe vor wenigen Tagen im Rahmen einer Klausurtagung des Arbeitskreises Europa, Internationales und Tourismus der SPD-Landtagsfraktion eingeladen hatte. Wölfle, zugleich tourismuspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, kam in Begleitung ihrer Abgeordnetenkollegen Nicolas Fink, Peter Hofelich sowie Gabi Rolland und konnte zahlreiche Gäste, darunter Vertreter von Wirtschafts- und Tourismusverbänden sowie etliche Bürgermeister begrüßen.

Grundsätzlich ist die Region im Südschwarzwald touristisch gut aufgestellt und hat Entwicklungspotential, so das Fazit der Abgeordneten und gelernten Touristikfachfrau Wölfle, aber es gibt enorme Herausforderungen. Vor allem in der Gastronomie fehlen Fachkräfte, viele Betriebe stehen vor einer ungewissen Zukunft oder geben ganz auf, weil sich kein Nachfolger findet. „Eine funktionierende Gastronomie, die den geänderten Ansprüchen der Gäste Rechnung trägt, ist das Rückgrat des Tourismus, sichert Arbeitsplätze und sorgt so dafür, dass Menschen in der Region bleiben“, fasst die Abgeordnete zusammen und äussert deutlich ihr Unverständnis, dass die Bedeutung Tourismus vielfach noch immer unterschätzt wird: „Ein jährliches Bruttoumsatzvolumen von 25 Milliarden Euro und rund 390.000 Arbeitsplätzen, die vom Tourismus abhängen, damit ist dieser Sektor als Wirtschaftsfaktor mindestens genauso wichtig wie die Automobilindustrie ( ca. 220.00 Arbeitsplätze) im Land“, verdeutlicht Wölfle. Fehlende Fachkräfte, Funklöcher, Investitionsstau und unattraktive Arbeitszeiten wurden in der Diskussion dann auch als die wichtigsten Betriebsrisiken identifiziert.

Dass die neue Tourismuskonzeption des Landes die Probleme des Gastgewerbes thematisiert, werteten die anwesenden Fachleute als Schritt in die richtige Richtung, doch den Worten müssten Taten bzw. finanzielle Mittel folgen. Gefordert wurde u.a. ein neues Förderprogramm speziell für die Gastronomie und deutlich mehr Geld für touristisches Marketing. Baden-Württemberg gibt dafür jährlich 7,5 Mio. Euro aus, Südtirol hingegen 85 Millionen, konstatierte ein Tourismusexperte. Heftig kritisiert wurde in dem Zusammenhang die Ankündigung von Tourismusminister Wolf, die Tourismusförderung teilweise über Umschichtungen aus dem Kommunalen Investitionsfonds (KIF) und damit ohne Mehrkosten für das Land finanzieren zu wollen. Aus Sicht der Teilnehmer hätte das Land noch andere Möglichkeiten, um die Situation in der Gastronomie zu verbessern: Die Einführung einer allgemeinen Tourismusabgabe nicht nur in Kurorten, die Streichung der Haftung für Brandschutzbeauftragte oder auch flexiblere Fristen für die Umsetzung behördlicher Auflagen. Aber auch den Sparkassen und Volksbanken vor Ort kommt bei der Tourismusförderung eine wichtige Rolle zu. „Kredite für Modernisierungen und Investitionen dürfen nicht zur Strangulierung der Betriebe führen“, forderte ein Teilnehmer.

Diskutiert wurde auch die Frage, wie sich Naturschutz einerseits mit den Interessen von Erholungssuchenden und Mountainbikern sowie den landwirtschaftlichen Belangen   andererseits vereinbaren lassen. Angesichts des anhaltenden Trends hin zur Natur, wird es ein Miteinander nicht immer geben können, aber ein Nebeneinander“, so Hannelore Reinbold-Mench, Bürgermeisterin der Gemeinde Freiamt und Vertreterin des Naturparks Südschwarzwald. Es gehe um die Weiterentwicklung des Naturtourismus und angesichts des Klimawandels auch um die künftige Ausrichtung der EU-Programme.

Weitere Aspekte aber auch andere wertvolle Hinweise aus der angeregten Diskussion werde sie und der Facharbeitskreis Tourismus der SPD-Landtagsfraktion parlamentarisch aufgreifen, kündigte Sabine Wölfle am Ende der Veranstaltung an. „Gerade beim Tourismus ist in Baden-Württemberg noch viel Luft nach oben und hier werden wir darauf achten, dass die Landesregierung notwendige Maßnahmen nicht auf andere abwälzt, sondern selbst aktiv wird.“