Grußwort Stolpersteine

Veröffentlicht am 11.02.2015 in Reden/Artikel

Die Eine-Welt-AG des Gymnasiums Kenzingen lies weitere Stolpersteine verlegen.

Presseartikel:

Die Erinnerung wach halten (veröffentlicht am Mi, 11. Februar 2015 auf badische-zeitung.de)

Mein Grußwort:

Stolperstein – etwas, über das man "stolpert", vielleicht auch fällt?

Nein, es gibt auch das "gedankliche" Stolpern, das Innehalten, das Erinnern, ja, vielleicht auch provozieren. Menschen, die sich nicht erinnern wollen, sich verweigern, ja, auch die können durch Stolpersteine ins Nachdenken geraten.

Wir wollen und wir müssen uns erinnern. Erinnern an alle diejenigen, die von dem furchtbaren NS-Regime verfolgt, verjagt, getötet wurden. Die Stolpersteine sollen den Opfern ihre Identität zurückgeben, ihre Spuren an den Ort zurückverlegen, wo sie einst gelebt haben und von wo man sie weggebracht hat ohne dass sie wiederkehren konnten oder von wo sie in die Ungewissheit eines anderen Ortes gegangen sind, um ihr Leben zu retten, meistens nur das, denn ihr Hab und Gut mussten sie zumeist zurücklassen.

Hier in Kenzingen stellt man sich der eigenen Geschichte. Sophie und Leo Epstein waren Bürgerin und Bürger dieser Stadt. Ihrer Existenz und ihrer Würde beraubt konnten sie am Ende überleben, im Exil.

Auch wenn Stolpersteine meistens für ermordete Opfer der menschenverachtenden NS-Herrschaft verlegt werden, ist es anerkennenswert, hier auch einen anderen Weg zu gehen. Es wurden Menschen ermordet, körperlich, aber es gibt auch geistigen und seelischen Mord.

Die Familie Epstein musste gehen, weil sie Juden waren, es zählte nicht, dass es Bürger dieser Stadt waren, Menschen, die hier lebten und wirkten.

Die "Eine Welt AG" will gegen das Vergessen und gegen Rassismus ankämpfen und für Courage werben - das könnte kaum aktueller sein, denn Rassismus keimt dieser Tage erneut auf und man kann diesem vor allem mit Courage begegnen.

Als Schulpatin des Kenzinger Gymnasiums im Rahmen des Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" freut und berührt mich sehr, dass Jugendliche durch Aktionen das Geld für die Stolpersteine zusammentragen konnten und auch dafür sorgen werden, dass die Stolpersteine gepflegt werden, denn nur so können sie ihren Sinn erfüllen: den Namen von Sophie und Leo Epstein in Kenzingen lebendig zu halten.

Auch wenn die gesamte Familie Epstein Kenzingen verlassen musste und unterschiedliche Schicksale erlitt, sind sie durch die Stolpersteine mit ihren darauf sichtbaren Namen wieder nach Kenzingen zurückgekehrt.

Die Epsteins kehren zurück nach Kenzingen  und die Stolpersteine mit ihren Namen werden damit zu steinernen Zeitzeugen.

 

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