Grußwort zum Frauenwirtschaftstag

Veröffentlicht am 18.10.2011 in Reden/Artikel

Sabine Wölfles Grußwort zum Frauenwirtschaftstag am 13.10.2011 in Emmendingen:

Wenn die Frau sich nicht stärker zur Geltung bringt, dann kommt sie nie zur Geltung. Dabei ist es doch eine große Chance und Herausforderung, dass sie selbst etwas anpacken, gestalten und verändern kann.

Dies ist ein Zitat von Prof. Dr. Gertrud Höhler, sie ist Publizistin und Beraterin von Wirtschaft und Politik und hat sich in vielen Bereichen mit Frauen im Berufsleben beschäftigt und ist dort zu sehr interessanten Eindrücken gekommen.

Für mich ist klar: die Arbeitswelt ist noch immer männlich geprägt. Es sind männliche Spielregeln, männliche Rahmenbedingungen, männliche Arbeitszeiten.
Auch wenn viele Unternehmen erkannt haben, dass es Fortschritt nicht ohne Frauen gibt, werden die Rahmenbedingungen in der Arbeitsrealität nicht nach dem Gendergedanken verändert.

Frauen haben Stärken, eben andere als Männer. Genau deswegen ist es wichtig, dass wir darüber nachdenken müssen, wie wir mit gesetzl Quoten für mehr Chancengleichheit sorgen. Nur 3 % der Frauen finden wir in den Führungsetagen der Wirtschaft – im Umkehrschluss heißt das 97 % Männer.

In Norwegen wurde vor einigen Jahren eine gesetzl. Quote eingeführt, die Widerstände waren ähnlich wie bei uns.
Heute, nach mehreren Jahren Erfahrungen mit mehr Frauen in den Vorstandsetagen der norwegischen Wirtschaft, erkennt man eine komplett andere Unternehmenskultur. Die Frauen haben mit einer anderen Herangehensweise und mit anderem Umgangsstil zu einer positiven Veränderung beigetragen und heute wird dort die Quote nicht mehr in Frage gestellt.
In Frankreich hat man vor Jahren die Erkenntnis gewinnen müssen, das von Frauen geleitete Betriebe doppelt so schnell wuchsen und doppelt so rentabel wie Unternehmen waren, die von Männern geführt wurden.

Wie sieht die Arbeitswelt bei uns aus: zu wenig Geld für zuviele schlechte Jobs. Frauen sind im Bereich des Vollerwerbs deutlich unterrepräsentiert, dafür sind sie Spitze im Bereich der Niedriglohnjobs und in ungerechter Bezahlung bei gleicher Arbeit. Equal Pay – noch immer ein Fremdwort.

Auch ich habe diese Erfahrungen machen müssen. Als Leiterin einer großen Abteilung wurde mir ein zweiter Bereich mit doppelt so viel Mitarbeiter und doppelt so viel Arbeit anvertraut. Trotz dieser groß en Aufgabe und trotz mehr Berufserfahrung und mehr Berufsjahren verdiente ein männl. Kollege in einer Abteilung, die kaum mehr ein Drittel von meinem Bereich ausmachte, deutlich mehr.
Schaut man sich heute um, ist dies noch immer keine Ausnahme.

Wir Frauen machen die besseren Bildungsabschlüsse und sind oftmals gewohnt, die Quadratur des Kreises, sprich Familien- und Berufsarbeit trotz widriger Umstände zu organisieren und trotzdem werden wir benachteiligt. Die vielen schlechtbezahlten Teilzeitjobs führen dann am Ende des Erwerbslebens auch oftmals noch zu Altersarmut, weil nicht genügend Geld in die Rente gehen konnte.

Warum ist so? Zum einen ist es eine gesellschaftspolitische Fehlentwicklung. Zulange wurde Frauen bei uns auf Familie reduziert und das Berufsleben galt nur als Zuverdienst zum Einkommen des Ehemannes.

Nun hat sich das gesellschaftliche Bild gewandelt, nicht aber die Bedingungen für Frauen in der Berufswelt des Mannes. Das Ausüben eines Berufs nach einer Lehre, nach dem Studium, ist für die meisten Frauen selbstverständlich. Deswegen ist die Erwerbsquote in den letzten Jahren zwar deutlich gestiegen, im internationalen Vergleich aber immer noch nicht hoch genug. Obwohl viel in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert wurde, Ganztagesschulen auf dem Vormarsch sind, finden Frauen, je höher sie auf der Karriereleiter steigen, immer weniger gute Arbeit.

Ursachen für die Entwicklung sind einerseits das klassische Rollenbild, aber auch die noch immer vorhandenen Vorurteile gegenüber Frauen in nicht weiblich dominierten Berufen, wie im Bildungs- und Gesundheitsbereich.

Männer unterstellen Frauen oftmals weniger Kompetenz zu haben, nicht führen zu können und nicht belastbar zu sein. Wenn der Chef auf dem Tisch haut, wird das anerkannt und als Durchsetzungskraft angesehen, macht es eine Frau, betrachtet man sie als hysterisch. Ein männlicher Kollege kann auch mal lauter werden, bei einer Frau wirkt das schwächlich und unsicher.

Wir geben also in unserem Verhalten verbale aber auch nonverbale Zeichen aus, die immer geschlechtertypisch interpretiert werden und die uns Frauen irgendwie festnageln.

Männer sind in der Regel ja auch diejenigen, die Frauen einstellen und da wird bereits unbewusst geprüft, wie Frau sich verhalten könnte. Tritt sie zu selbstbewusst auf, unterstellt man ihr männliches Nachahmungsverhalten, ist sie zu weiblich, verliert sie an Kompetenz in den Augen des Mannes.

Kommen wir aus dieser merkwürdigen Situation eigentlich noch raus? Und wenn ja, wie ?

Hier muss man auch früh in die eigene Kindheit hineinschauen. Unser stereotypes Rollenverhalten beginnt ja in den frühen Jahren. Klettert ein Junge auf den Baum, ist er mutig und man beobachtet diese Aktion als Mutter mit Stolz. Ist es die Tochter, rennt man sofort hin, dass das Mädel ja vom Baum fallen könnte und man es auffangen möchte. Schon früh verfärbt sich unsere weibliche Welt rosa. Wir spielen in gleichgeschlechtliche Gruppen und erleben früh die Mädchen- und die Jungenwelt als getrennte Universen. In der Schule geht es dann weiter. Gibt es klare Erkenntnisse, dass die Koedukation bei Mädchen zu einem starken Zurückdrängen naturwissenschaftlicher Fächer führt ( Jungs haben früh den Chemiebaukasten, kennen sich also aus, sitzen im Chemie- oder Physikunterricht vorne, Mädchen hinten), erleben wir bei geschlechtergetrennten Schulen genau das Gegenteil. Hier glänzen die Mädchen nach der Schule mit deutlich mehr naturwissenschaftlichen Studiengängen, dringen also in die vermeintlich männlich geprägte Domäne ein.

Natürlich ist das sehr verallgemeinert, es gibt viele gute Beispiele, wo diese Rollenmuster aufgebrochen werden. Vor allem zeigt sich in den letzen Jahren die Entwicklung, dass Mädchen die Jungs in der Bildung immer weiter abdrängen und man sich nun mehr Sorgen um die Söhne machen muss. Schlägt sich das aber später im beruflichen Werdegang nieder? Nein, leider nicht.

Noch immer planen Männer deutlich früher ihren Karriereweg und gehen sehr zielgerichtet ihre berufliche Laufbahn an. Frauen planen in der Regel nicht so weit, sie beginnen ihren Beruf und dann heißt es oft, mal sehen… „vielleicht erklimme ich die Karriereleiter, vielleicht aber gründe ich erst einmal eine Familie“.
Genau dies ist der Spannungsbogen, denn eigentlich wollen wir ja beides, oder?
Das können wir auch, wenn wir uns unseren eigenen Stärken bewusst werden.

Zunächst einmal sind ein gesundes Selbstbewusstsein und das Gefühl, man biete dem Unternehmen durch die eigene Ausbildung, das erfolgreich absolvierte Studium ja etwas an, was einen Wert hat.
Frauen sind es gewohnt, viele Felder auf einmal zu bespielen, Multitasking ist das Zauberwort. Dies ist sicher eine sehr positive Eigenschaft, die auch mittlerweile viele Firmen erkennen.

Wenn man alleine diese Faktoren zusammennimmt und sich diese als Frau bewusst macht, hat man schon viel gewonnen.
Eine Frau, die die eigenen Stärken kennt, tritt anders auf und wird auch von Männern anders angesehen und anders anerkannt. Leider enthält sie aber oftmals ihre Stärke der Gesellschaft vor, weil sie immer Angst hat, dass ihr niemand eine Schwäche nachweisen kann. Hier, meine Damen, brauchen wir mehr Mut zur Schwäche, damit wir unsere Stärken stärker hervortreten lassen können.

Dabei finde ich wichtig, dass wir unsere Weiblichkeit nicht unterdrücken dürfen. Vor kurzen stand ich mit mehreren Frauen, alle in der Politik unterwegs zusammen. Alle waren grau, schwarz oder dunkelblau gekleidet, in Anzug oder Kostüm. Als Einzige trug ich ein Kleid mit eine roten Jacke und passendem Schmuck. Plötzlich meinte eine Kollegin, ich steche ja aus dieser Gruppe total hervor und werde auch von außen stärker gesehen.

Das ist oftmals der Punkt. Wir versuchen in Verhalten und Aussehen oftmals unbewusst, Männer nachzuahmen, weil wir glauben, dann eher akzeptiert zu werden.
Es ist aber umgekehrt eher ein Vorteil, wenn man sich zu seinem Frausein mit großem Selbstbewusstsein bekennt. Denn wenn viele hinsehen, hören auch viele mehr zu..
Denn wir haben was zu sagen und zu bieten. Um nochmals mit Prof. Gertrud Höhler zu sprechen:
Frauen werden Fairness und Respekt der Männer erst erfahren, wenn sie aus der Defensive herauskommen und den Konkurrenzkampf annehmen.

Vielleicht sind das harte Worte, denn unser Ziel ist Chancengerechtigkeit, nicht mehr und nicht weniger.
Es ist unser Leben, machen wir als Frauen etwas draus, wir haben es selber in der Hand. Die Frauenwirtschaftstage sind daher eine hervorragende Chance für Frauen, ihre Stärken zu entdecken, sich zu informieren, ihren eigenen Stellenwert kennenzulernen. In unzählig vielen Veranstaltungen, genau sind es 152, an vielen Orten in Ba-Wü gibt es die Möglichkeit, sich über viele unterschiedliche Themen zu informieren.

Nutzen Sie diese Veranstaltungen, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft braucht die Frauen, egal ob als Fachkraft, Unternehmerin, Ärztin oder als Vorstandsfrau in einem Daxunternehmen :
Seien Sie selbstbewusst, stark und stolz auf sich!

 

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