SPD-Frauenpreisträgerin: Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench aus Freiamt

Veröffentlicht am 13.03.2018 in Landespolitik

Die Laudatio der Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle zur Überreichung des SPD-Frauenpreises an die Bürgermeisterin der Gemeinde Freiamt, Frau Hannelore Reinbold-Mench.

Laudatio 11.März 2018

In diesem Jahr verleihen wir zum 10. Mal den Frauenpreis der SPD und diesmal gibt es keinen Trommelwirbel und das Lüften des Geheimnisses wie in den Jahren zuvor. Denn wir alle kennen die Preisträgerin bereits und daher auch von meiner Seite: Herzlich willkommen Frau Reinbold-Mench. Wir haben ja angekündigt, dass wir die Frauenpreisverleihung etwas anders gestalten wollen und künftig besondere Frauen im Landkreis Emmendingen direkt für den Preis vorschlagen.

Das ist damit heute also eine Premiere.

Als wir Frauen uns Gedanken gemacht haben, welche herausragende Persönlichkeit uns denn da einfallen könnte, hatten wir alle direkt ein Gesicht vor Augen: das unserer Preisträgerin heute.

Und warum?

Nicht etwa, weil sie selber jahrelang in der Jury für die Frauenpreisverleihung saß, sondern weil wir in Frau Reinbold-Mench eine Persönlichkeit sehen, die würdig ist, selber in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Nicht dass sie eher ein Leben im Schatten führt und man sie heute hier ins Licht stellen müsste.

Sie ist ja längst eine Institution in unserem Landkreis und seit 2001 Bürgermeisterin einer sehr spannenden Gemeinde, nämlich aus unserem schöne Freiamt.

Dieses Freiamt ist mit Ihrer Mitwirkung, Frau Bürgermeisterin und mit dem Ihrer Bürger und dem außerordentlichen Engagements, heute ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt, die sich ansehen, wie man alternative Energien nicht nur kommunal produziert sondern wie man auch alle Bewohnerinnen und Bewohner auf diesem spannenden Weg mitnimmt. Anderswo wird gegen Windkraft gekämpft, die Bürgermeister sehen sich Bürgerinitiativen gegenüber die alles verhindern wollen - nicht so in Freiamt. Nicht nur als Bürgermeisterin hat sie den Weg der Gemeinde hin zu 100% energieautark vorangetrieben, sondern vorher schon als Gemeinderätin. Die große Gemeinsamkeit zwischen der Bürgerschaft und der politischen Vertretung ist das starke Fundament von Freiamt und hier hat Frau Reinbold-Mench ihren großen Anteil dran.

Wer Sie, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, im Gespräch erlebt, spricht mit einer Frau, die sehr mit sich im Reinen ist, die weiß, dass sie genau am richtigen Ort und in der richtigen Funktion ist. Authentisch, engagiert und höchst anerkannt auch von ihren Bürgermeisterkollegen aber auch als Kreisrätin im Kreistag.

Als studierte Juristin mit Schwerpunkt Familienrecht und Insolvenzrecht hat sie den pragmatischen Blick einer Juristin aber auch die emphatische Seite einer Frau, die Gefühl und Sachlichkeit miteinander verbinden kann.

1994 wurde sie Gemeinderätin in Freiamt und war sofort Feuer und Flamme für diese ehrenamtliche Tätigkeit. Rückblickend sagt sie: „ Es hat wahrscheinlich mit einer nicht funktionierenden Straßenlaterne angefangen und danach wollte ich mich einfach aktiv engagieren“. Wenn sich so eine Entwicklung aufgrund einer defekten Straßenlaterne aufzeigt, darf es durchaus mehr kaputte Straßenbeleuchtungen geben!

2 Jahre später wurde sie stv. Bürgermeisterin und es war dann auf ihrem weiteren Weg folgerichtig, dass sie auch 1999 in den Kreistag gewählt wurde. Wer sie politisch aber auch menschliche bewerten würde, könnte die Person Hannelore Reinbold-Mench mit drei Attributen beschreiben:

Kritisch - Konstruktiv - Hinterfragend

So agiert sie auch heute als Bürgermeisterin, die mit ihrem Gemeinderat gestalten will und die Gemeinde gemeinsam mit allen Akteuren weiterentwickeln möchte. Vom Ehrenamt ins Hauptamt wechselte sie 2001, als sie zur Bürgermeisterin gewählt wurde.

Ihr Credo: In der Kommunalpolitik schaut man nach vorne und nicht nach hinten und deshalb war der Schritt von der Gemeinderätin zur Bürgermeisterin für sie auch folgerichtig. Auch in ihrer 3. Amtszeit ist für sie der Reiz ihres Amtes, dass eine Gemeinde nie fertig mit ihrer Entwicklung wird und es immer wieder nach vorne weitergeht, mit neuen Herausforderungen, welche sie persönlich auch nach diesen vielen Jahren immer noch als sehr spannend empfindet. Wenn Hannelore Reinbold-Mench sich Gedanken über die Zukunft von Freiamt macht, stellt sie sich drei Fragen:

Wo gehen wir hin? Wo wollen wir hin? Was wird aus diesem Ort?

Immer auf der Suche nach neuen kommunalen Herausforderungen, aber immer kommunikativ mit ihren Freiämter Bürgerinnen und Bürgerin ist sie noch immer jeden Tag neugierig auf das vor ihr liegende. Bürgermeister sind Repräsentanten einer Art „ Ärmelzupfdemokratie“.

Egal wo und wann, irgendwer hat immer eine Frage an die Frau Bürgermeisterin. Und wenn sie selber gerade nicht greifbar ist, sind es auch schon mal die Mitglieder der Familie die Botschaft doch bitte abends beim Abendessen überbringen können. Wenn es dann auch mal ein Abendessen mit der Familie gibt. Eine große Flächengemeinde mit vielen Vereinen fordert eben auch viel zeitliches Engagement für ein Gemeindeoberhaupt, da ist die gemeinsame Zeit mit der Familie immer etwas sehr kostbares, ich weiß wovon ich spreche.

Und da gibt es noch immer einen Unterschied, ob es eine Frau oder ein Mann ist. Sind da Kinder im Haus, geht es nicht, ohne dass die Familie dahintersteht und den Rücken freihält. Bei Ihnen, Frau Bürgermeisterin, war das auch so und sie durften diesen Rückhalt von Ihrem Mann und Ihrer Familie aus voller Überzeugung erfahren. Die Familie ist zu Recht stolz auf Sie und unterstützt Sie. Sie sind eine öffentliche Person, da ist Privatleben eben auch immer ein Stück Öffentlichkeit und das ist für die Familie oftmals nicht einfach.

Frauen in der Politik: leider noch immer eine Seltenheit. Frau Reinbold-Mench ist zwar die einzige Bürgermeisterin im Landkreis Emmendingen, aber sie hat durch ihr Beispiel und ihren Werdegang anderen Frauen den Weg geebnet und Mut gemacht, ihr zu folgen. Jetzt gibt es deutlich mehr Frauen im Freiämter Gemeinderat. Sie ist aber auch als Bürgermeisterin eine Vertreterin einer viel zu kleinen Gruppe von Frauen. Unter den fast 1100 hauptamtlichen Bürgermeistern im Land sind nur 65 Frauen, nur ca. 7% der Bürgermeisterwahlen werden von Frauen gewonnen. Das hört sich dann aber auch so an, als würden sie männlichen Bewerbern unterliegen. In der Tat haben aber auch nur 9% Frauen sich beworben. Die Zahl zeigt aber auch, dass wenn Frau sich bewirbt, sie auch gute Chancen hat.

Frau Reinbold-Mench hat sich aber auch losgelöst von der Frage Mann oder Frau auf den Weg gemacht. Sie wollte es so, sie wollte sich engagieren, mitreden und mitgestalten. Kraft und Ruhe geben ihr aber nicht nur die Familie, auch ihre Hobbys sind für sie ein guter Ausgleich, wenngleich man hier nicht unbedingt von Entspannung und Ruhe sprechen kann. Sie ist 2. Vorsitzende des Naturparks Südschwarzwald und mit diesem Amt verbindet sie dann auch ihre Liebe zur Natur, zum Wandern und für den Garten. Sie selber nennt das „aufräumen“.

Sie ist verwurzelt in ihrem Freiamt und die Bürgerinnen und Bürgern zeigen ihr das auch, zuletzt mit einem Traumergebnis von 99,31 % bei ihrer 3. Wahl im Mai letzten Jahres.

Ihre lange Erfahrung in der Kommunalpolitik als ehrenamtliche Gemeinderätin und als Bürgermeisterin haben ihr aber auch deutlich gemacht, warum es noch immer zu wenige Frauen gibt. Sie fordert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und aufgrund ihrer eigenen positiven Erfahrung wünscht sie sich, dass mehr Ehepartner Verantwortung übernehmen um ihren Frauen diesen Weg leichter zu machen.

Liebe Frau Reinbold-Mench, sie sind nicht nur eine beliebte und hoch anerkannte Bürgermeisterin, die in ihrer Gemeinde die vielfältigsten Aufgaben zu lösen hat , sondern Sie sind eine Persönlichkeit die Eindruck macht. Für uns SPD-Frauen war gleich klar: Sie verdient diesen Preis nicht nur für ihre Arbeit sondern weil sie ein hervorragendes Beispiel ist, dass Frauen sich auf den Weg machen können, wenn sie die Überzeugung haben, etwas verändern zu können.

Vielleicht ist die alte Straßenlaterne die damals den Startschuss gab, noch immer defekt. Aber Sie haben in all den Jahren so viel bewegen können mit ihrer Gemeinde, dass das am Ende keine Rolle mehr spielt. Sie haben die Menschen im Blick und es war auch von Anfang an klar, dass Sie das mit dem Preis verbundene Preisgeld an jemanden in Freiamt spenden wollen, um zu helfen. Aber das werden Sie ja gleich selber auch noch vorstellen können.

Wir gratulieren Ihnen von Herzen zu diesem Preis und wir bedanken uns für ihr großes Engagement.

+++ Es gilt das gesprochene Wort +++

 

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